Samstag, 8. März 2008

Konkursmeldung bei der Eisengiesserei Bühler

Überraschend war am 06.03.08 die Konkursmeldung der Eisengiesserei Bühler in der Günzburger Zeitung. In dem mal wieder recht firmenfreundlichen Bericht der Zeitung suchte die Geschäftsleitung der Eisengiesserei Bühler, wie so oft, die Ursache bei anderen.
Angeblich wurde die finanzielle Schieflage unter anderem durch die Auflagen des Landratsamtes hervorgerufen. Die Auflagen seien vor allem durch Beschwerden der Nachbarschaft ausgelöst worden.

Schön, daß man nun wieder die Schuld auf andere schiebt. Die Wahrheit sieht dabei aber ganz anders aus.

Die Eisengiesserei Bühler betreibt unter anderem eine Lackiererei und ist seit Jahren als VOC-emittierender Betrieb beim Umweltamt Bayern registriert. Durch schon seit Jahren bekannte EU-Auflagen ist die Eisengiesserei verpflichtet diese Emissionen durch bauliche Maßnahmen einzuschränken. Als Nachbar bekommt man den Lackiergestank regelmässig, je nach Windrichtung, als starke oder geringe Geruchsbelästigung mit. Von der gesundheitlichen Beeinträchtigung gar nicht zu reden. Laut den Informationen im Internet hätte diese Richtlinie der EU eigentlich bis zum Herbst 2007 von den betroffenen Firmen umgesetzt sein sollen.
Die anstehenden Kosten waren der Eisengiesserei schon seit Jahren bekannt und sollten jetzt eigentlich nicht so überraschend sein.
Wenn man die Jahresberichte der letzten Jahre betrachtet, kann man dennoch keine großen Investitionen in Umweltschutz, geschweige den Rücklagen dafür erkennen.

Schuld ist auch hier wohl mal wieder die Überheblichkeit und Unprofessionalität der Geschäftsleitung. Von Management kann hier eigentlich nicht die Rede sein.

Trotz nicht vorhandenen Rücklagen und relativ geringen Jahresgewinnen seit Jahren plant und beginnt man stattdessen noch den Neubau einer CNC-Halle. Mit den Maschinen wahrscheinlich ein Mehrmillionenprojekt, so daß allein die dafür anfallenden Zinskosten den Jahresgewinn auf Null schrumpfen lassen. Nicht vergessen werden darf dabei auch der Liquiditätsverlust durch die fälligen Zinszahlungen.
Wenn man dann noch für seine Kunden in Vorzahlung tritt und Zahlungsfristen von mehreren Monaten gewährt, dann fehlen schnell die flüssigen Mittel und auch bei vollen Auftragsbüchern droht unweigerlich der Konkurs. Da ist dann die seit Jahren bekannte und planbare, jetzt vom LRA eingeforderte, aber wahrscheinlich noch nicht einmal begonnene, Umweltinvestition nur noch der letzte Tropfen der das Faß endgültig zum Überlaufen bringt.

Die Konkursmeldung erfolgte, obwohl der Unternehmensvorstand mit dem Prädikats-Betriebswirt Bernd Schmid gut besetzt ist. Eigentlich sollte er aus seiner langjährigen Erfahrung als Unternehmensberater über genügend Erfahrung verfügen. Auch der Aufsichtsratsvorsitz ist mit Dr.Henning Isbruch eigentlich gut besetzt. Aber vielleicht hatte er als mehrfacher Aufsichtsratsvorsitzender (Firma Klepper seiner Frau, Wohnungsbaugesellschaft), Lehrkraft an der Fachhochschule Rosenheim und dann noch Mediations-Beratung zusammen mit Frau Ilfat-Braun einfach nicht die nötige Zeit.

Interessant ist auch, daß gerade die Mediatorin Frau Ilfat-Braun aus dem Raum Rosenheim auch noch Geschäftsführerin der CNC-Projektgesellschaft ist, die zeitgleich mit der Eisengiesserei Bühler Konkurs angemeldet hat.

Liebe Geschäftsführung der Eisengiesserei Bühler macht zukünftig erst einmal Eure Hausaufgaben bevor Ihr die Schuld wieder bei den Nachbarn sucht.

Die Zeche werden, wie so oft, die Arbeitnehmer und Gläubiger zahlen dürfen. Die Geschäftsführung findet leicht einen neuen gut dotierten Job und sei es als Unternehmensberater.

Weitere Verantwortung hat die Geschäftsführung der Aktiengesellschaft Eisengiesserei Bühler nicht zu befürchten. Der Konkurs wurde wahrscheinlich rechtzeitig angemeldet, so daß kein Verfahren wegen Konkursverschleppung droht. Die noch anfallenden Lohnkosten lässt man von der Allgemeinheit in Form von Konkursausfallgeld oder wenn es noch schlimmer kommt, Arbeitslosengeld und Hartz 4 bezahlen.
Im Gegensatz zu inhabergeführten Unternehmen haften Sie nicht mit Ihrem Privatvermögen, so daß Ihnen die zuvor eingestrichenen Gewinne bzw. hohen Managergehälter wohl erhalten bleiben dürften.

Neben den bedrohten Arbeitsplätzen bei der Eisengiesserei Bühler, darf man auch nicht die bedrohten Arbeitsplätze bei den Gläubigern vergessen.

Und wenn die Eisengiesserei Bühler wirklich pleite geht, wer räumt dann den vorhandenen gesundheitsschädlichen Dreck weg?